Dekubitus erkennen und vermeiden - Warnzeichen und Hilfe

Evelin Jost

Evelin Jost

|

8. November 2026

Fersendruckgeschwür: Rötung, Schmerz, warme Haut, Schwellung, Blase, Nässen. Die Dekubitus-Definition wird durch diese Anzeichen am Fuß erklärt.

Eine gerötete Stelle am Steißbein oder an der Ferse wirkt zunächst oft harmlos. Sie kann jedoch das erste Zeichen eines Dekubitus sein, also einer druckbedingten Schädigung von Haut und tieferem Gewebe. Ich erkläre, was ein Dekubitus genau ist, wie er entsteht, woran Angehörige ihn erkennen und welche Maßnahmen im Alltag wirklich helfen.

Die wichtigsten Fakten zum Dekubitus auf einen Blick

  • Definition: Ein Dekubitus ist eine örtlich begrenzte Schädigung von Haut und Gewebe durch anhaltenden Druck oder Druck in Verbindung mit Scherkräften.
  • Typische Stellen: Besonders gefährdet sind Steißbein, Fersen, Hüften, Knöchel, Ellenbogen, Schulterblätter und Hinterkopf.
  • Warnzeichen: Eine nicht wegdrückbare Rötung, ungewöhnliche Wärme, Verhärtung, Blasen oder eine offene Stelle müssen ernst genommen werden.
  • Vorbeugung: Bewegung, individuelle Druckentlastung, Hautkontrolle und eine gute Versorgung mit Flüssigkeit und Nährstoffen senken das Risiko.
  • Wichtig: Ein Hilfsmittel ersetzt keine Bewegungsförderung und keine fachliche Beurteilung.

Was ein Dekubitus genau bedeutet

Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür oder Wundliegen genannt, ist eine örtlich begrenzte Schädigung der Haut und des darunterliegenden Gewebes. Sie entsteht meist dort, wo ein Knochen nahe unter der Haut liegt und das Körpergewicht längere Zeit auf dieselbe Stelle wirkt.

Durch den Druck werden kleine Blutgefäße zusammengedrückt. Das Gewebe erhält dann weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Bleibt die Belastung bestehen, kann zunächst eine Rötung und später eine tiefe Wunde entstehen. Entscheidend ist dabei nicht eine bestimmte Anzahl von Minuten oder Stunden. Wie schnell ein Dekubitus entsteht, hängt vom individuellen Risiko und von der Stärke des Drucks ab.

Zusätzliche Scherkräfte verschärfen das Problem. Sie entstehen zum Beispiel, wenn eine Person im Bett nach unten rutscht oder beim Umlagern über das Bettlaken gezogen wird. Die Haut bleibt dabei relativ liegen, während sich tieferes Gewebe verschiebt. Genau diese Kombination wird im Pflegealltag häufig unterschätzt.

Ein Dekubitus kann außerdem durch medizinische Geräte entstehen, etwa durch eine zu eng sitzende Maske, Schiene oder Sonde. Deshalb sollte nicht nur auf klassische Druckstellen an Rücken und Fersen geachtet werden, sondern auch auf Hautbereiche unter und neben Hilfsmitteln.

Warum ältere Menschen besonders gefährdet sind

Das Risiko steigt vor allem dann, wenn jemand die eigene Körperposition nicht mehr regelmäßig verändern kann. Das betrifft bettlägerige Menschen ebenso wie Personen, die lange im Rollstuhl sitzen oder wegen Schwäche nur wenige Schritte am Tag gehen. Ich erlebe in der Praxis immer wieder, dass Sitzen als weniger problematisch eingeschätzt wird als Liegen. Für Gesäß, Steißbein und Sitzbeinhöcker kann langes Sitzen jedoch eine erhebliche Belastung sein.

Weitere Faktoren verstärken die Gefahr. Dazu gehören eingeschränktes Schmerzempfinden, Lähmungen, Demenz, Diabetes, Durchblutungsstörungen und starke allgemeine Schwäche. Wer Druck oder Schmerzen nicht zuverlässig wahrnimmt, verändert seine Position oft nicht rechtzeitig.

Auch die Haut selbst spielt eine Rolle. Feuchtigkeit durch Schweiß oder Inkontinenz macht sie empfindlicher. Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel können die Hautbarriere schwächen und die Wundheilung verlangsamen. Das bedeutet nicht, dass ein Dekubitus allein durch „zu wenig Essen“ entsteht. Meist wirken mehrere Belastungen zusammen.

Druck, Reibung und Scherkräfte unterscheiden

Belastung Was dabei passiert Typisches Beispiel
Druck Blutgefäße werden über längere Zeit zusammengedrückt. Die Ferse liegt ständig auf der Matratze.
Reibung Die oberste Hautschicht wird mechanisch gereizt oder verletzt. Die Haut scheuert beim Hochrutschen im Bett.
Scherkraft Haut und tieferes Gewebe verschieben sich gegeneinander. Eine Person rutscht im erhöhten Bett nach unten.

Diese Unterscheidung ist praktisch wichtig, weil eine reine Druckentlastung nicht immer genügt. Beim Transfer sollte die Person möglichst angehoben oder mit geeigneten Hilfsmitteln bewegt werden, statt sie über die Unterlage zu ziehen.

Dekubitus: Kategorien, Stadien & Verlauf. Illustrationen zeigen Körperstellen, die bei Dekubitus gefährdet sind.

Welche Anzeichen und Kategorien es gibt

Eine gesunde Hautstelle wird nach kurzer Druckbelastung normalerweise wieder blasser. Eine Rötung, die sich bei leichtem Fingerdruck nicht aufhellt, ist dagegen ein ernstzunehmendes Warnzeichen. Bei dunkler Haut kann eine Farbveränderung schwerer zu erkennen sein. Dann helfen zusätzliche Hinweise wie Wärme, Kälte, Verhärtung, Schwellung, ungewöhnliche Weichheit oder Schmerzen.

Kategorie 1

Die Haut ist noch geschlossen, zeigt aber eine anhaltende, nicht wegdrückbare Rötung oder eine andere auffällige Verfärbung. Die Stelle kann wärmer, härter oder empfindlicher sein als die Umgebung. Wird sie jetzt konsequent entlastet, lässt sich eine Verschlechterung oft verhindern.

Kategorie 2

Es liegt ein teilweiser Verlust der Haut vor. Sichtbar sein können eine flache Wunde oder eine intakte beziehungsweise geöffnete Blase. Tieferes Fettgewebe ist in dieser Kategorie nicht freigelegt.

Kategorie 3

Die gesamte Hautschicht ist zerstört, und tieferes Fettgewebe kann sichtbar sein. Es können sich Taschen oder unterminierte Wundränder bilden. Muskeln, Sehnen und Knochen liegen dabei noch nicht frei.

Lesen Sie auch: Harnverhalt erkennen - Wann Blasenprobleme zum Notfall werden

Kategorie 4 und nicht einsehbare Wunden

Bei Kategorie 4 reichen die Schäden bis zu Muskeln, Sehnen, Knorpel oder Knochen. Eine Wunde kann außerdem zunächst nicht sicher eingestuft werden, wenn sie durch abgestorbenes Gewebe oder einen festen Belag verdeckt ist. Die Kategorie lässt sich nicht zuverlässig allein anhand eines Fotos bestimmen.

Besonders rasch sollte fachliche Hilfe geholt werden, wenn sich eine offene Stelle bildet, die Rötung zunimmt, unangenehm riecht, Flüssigkeit oder Eiter austritt oder Fieber auftritt. Bei starker Verschlechterung, Verwirrtheit oder ausgeprägter Schwäche ist eine ärztliche Abklärung dringend erforderlich.

Was im Alltag zur Vorbeugung wirklich hilft

Die wichtigste Maßnahme ist regelmäßige, möglichst selbstständige Bewegung. Schon kleine Lageveränderungen, ein kurzes Aufrichten im Bett oder einige Schritte mit Unterstützung können die Druckverteilung verbessern. Ich halte starre Zeitpläne für wenig hilfreich, wenn sie nicht zur Person passen. Die Abstände für Positionswechsel sollten sich an Hautzustand, Beweglichkeit, Schmerzen und Gesundheitslage orientieren.

  • Gefährdete Körperstellen regelmäßig ansehen, auch an Fersen, Knöcheln und unter Hilfsmitteln.
  • Beim Umlagern Reibung und Scherkräfte vermeiden und bei Bedarf ein geeignetes Transferhilfsmittel verwenden.
  • Die Fersen bei hohem Risiko gezielt entlasten, ohne andere Körperstellen unbeabsichtigt stärker zu belasten.
  • Inkontinenzmaterial rechtzeitig wechseln und die Haut sanft reinigen und trocknen.
  • Bei trockener Haut eine passende Pflege verwenden, ohne aufgeweichte oder gerötete Stellen kräftig zu massieren.
  • Auf ausreichendes Trinken und eine eiweiß- und nährstoffreiche Ernährung achten.

Druckverteilende Matratzen, Sitzkissen oder Wechseldrucksysteme können sinnvoll sein, wenn Eigenbewegung nicht ausreicht. Sie sind jedoch kein Freibrief für langes unbewegtes Liegen. Der deutsche Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe betont deshalb die Verbindung aus Risikoeinschätzung, Bewegungsförderung, Druckentlastung und regelmäßiger Kontrolle.

Eine gerötete Stelle sollte nicht kräftig eingerieben oder „wegmassiert“ werden. Auch Wärmekissen sind keine gute Lösung, weil Wärme die Haut zusätzlich belasten und eine beginnende Schädigung verdecken kann. Bei Unsicherheit ist eine Pflegefachkraft die bessere Anlaufstelle als ein beliebiger Produkttipp.

Wie ein bestehender Dekubitus behandelt wird

Am Anfang steht immer die sofortige Druckentlastung. Die betroffene Stelle muss so gelagert werden, dass sie möglichst nicht weiter belastet wird. Gleichzeitig sollte eine Pflegefachkraft oder ärztliche Fachperson beurteilen, wie tief die Schädigung reicht und welche Versorgung notwendig ist.

Je nach Wundzustand kommen geeignete Wundauflagen, eine Reinigung der Wunde und bei abgestorbenem Gewebe ein Débridement infrage. Damit ist die fachgerechte Entfernung nicht mehr vitalen Gewebes gemeint. Welche Auflage passt, hängt unter anderem von Wundtiefe, Flüssigkeitsmenge, Hautumgebung und Infektionszeichen ab.

Schmerzen sollten aktiv angesprochen werden, auch wenn die betroffene Person wenig darüber klagt. Bei Demenz oder eingeschränktem Bewusstsein können Unruhe, Abwehr bei der Pflege oder veränderte Mimik Hinweise sein. Eine gute Wundversorgung besteht daher nicht nur aus dem Verband, sondern auch aus Lagerung, Schmerzbehandlung, Ernährung und einem verlässlichen Kontrollplan.

Bei tiefen Wunden, schwarzem Gewebe, zunehmender Rötung, Eiter, Fieber oder einem roten Streifen entlang der Haut sollte unverzüglich medizinische Hilfe organisiert werden. Eine Behandlung in Eigenregie mit Hausmitteln oder frei gekauften Salben kann die Beurteilung erschweren und eine notwendige Therapie verzögern.

Was bei einer roten Stelle sofort zählt

Ich würde bei einer neuen Rötung nicht abwarten, ob sie „morgen von selbst weg ist“. Druck wegnehmen, die Stelle beobachten, Veränderungen dokumentieren und frühzeitig fachlichen Rat einholen sind die sinnvollsten ersten Schritte. Besonders wichtig ist, die betroffene Person einzubeziehen und ihr zu erklären, warum Bewegung und Lagewechsel jetzt helfen.

Ein Dekubitus ist kein unvermeidbarer Bestandteil des Alters. Das Risiko lässt sich nicht immer vollständig ausschalten, aber frühes Erkennen und konsequente Druckentlastung machen oft den entscheidenden Unterschied. Bei offenen Wunden oder unklaren Hautveränderungen sollte die weitere Versorgung immer gemeinsam mit einer Pflegefachkraft oder einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt geplant werden.

Dieser Artikel dient ausschließlich Informations- und Bildungszwecken. Das Material wurde mit Unterstützung moderner Analyse- und Sprachwerkzeuge (KI) erstellt. Konsultieren Sie vor einer Entscheidung einen Experten.

Häufig gestellte Fragen

Eine nicht wegdrückbare Rötung oder auffällige Verfärbung ist ein Warnzeichen. Bei dunkler Haut helfen zusätzlich Hinweise wie ungewöhnliche Wärme oder Kälte, Verhärtung, Schwellung, weiche Haut oder Schmerzen.

Typische Druckstellen sind Steißbein, Fersen, Hüften, Knöchel, Ellenbogen, Schulterblätter und Hinterkopf. Auch Hautbereiche unter medizinischen Hilfsmitteln wie Masken, Schienen oder Sonden sollten regelmäßig kontrolliert werden.

Regelmäßige, individuell angepasste Bewegung und Lageveränderungen entlasten gefährdete Stellen. Zusätzlich helfen Hautkontrollen, das Vermeiden von Reibung und Scherkräften, passende Hilfsmittel, ausreichendes Trinken und eine nährstoffreiche Ernährung.

Bei einer offenen Stelle, zunehmender Rötung, schwarzem Gewebe, unangenehmem Geruch, Flüssigkeit oder Eiter sollte unverzüglich fachliche Hilfe organisiert werden. Auch Fieber, ein roter Streifen auf der Haut, Verwirrtheit oder ausgeprägte Schwäche erfordern eine dringende medizinische Abklärung.
Artikel bewerten

Durchschnitt: 0.0 / 5 · 0 Bewertungen

Tags

druckentlastung wundversorgung dekubitus scherkräfte hautkontrolle

Beitrag teilen

Autor Evelin Jost
Evelin Jost
Mein Name ist Evelin Jost und ich bringe 14 Jahre Erfahrung im Bereich Seniorenleben mit, insbesondere in den Themen Pflege, Wohnen und Alltag. Mein Interesse für diese Bereiche entstand aus der persönlichen Begegnung mit älteren Menschen und den Herausforderungen, die sie im täglichen Leben meistern müssen. Ich finde es wichtig, die unterschiedlichen Facetten des Seniorenlebens verständlich zu erklären und dabei die Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen. In meinen Beiträgen konzentriere ich mich darauf, aktuelle Trends und Entwicklungen zu beleuchten, die für Senioren und ihre Angehörigen von Bedeutung sind. Dabei lege ich großen Wert auf sorgfältige Recherche und das Vergleichen von Informationen, um meinen Lesern nützliche, präzise und leicht verständliche Inhalte zu bieten. Mein Ziel ist es, die Themen so aufzubereiten, dass sie für alle zugänglich sind, und dabei einen klaren Überblick über die Herausforderungen und Lösungen im Seniorenleben zu schaffen.
Kommentare (0)
Kommentar hinzufügen