Ein Pessar kann bei einer Senkung oder bei Belastungsbeschwerden spürbar entlasten, ist aber kein bequemes „einsetzen und vergessen“-Hilfsmittel. Wer die typischen Nachteile eines Pessars kennt, kann Reibung, Druckstellen, Probleme beim Stuhlgang oder beim Sex früher erkennen und besser einschätzen, ob die Lösung wirklich zur eigenen Situation passt. Gerade im höheren Alter spielen dabei Schleimhaut, Handlichkeit, Kontrolltermine und die allgemeine Mobilität eine größere Rolle, als vielen anfangs bewusst ist.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Ein Pessar lindert Beschwerden, behebt die Senkung aber nicht.
- Häufige Nachteile sind Druckgefühl, Ausfluss, Blutungen, Schleimhautreizungen und Probleme beim Stuhlgang.
- Die Anpassung braucht oft mehrere Versuche, weil nicht jedes Modell sofort passt.
- Nach den Wechseljahren ist die Scheidenschleimhaut empfindlicher, deshalb sind Pflege und Kontrollen wichtiger.
- Warnzeichen sind Schmerzen, Blutungen, übler Ausfluss, Probleme beim Wasserlassen oder ein herausrutschendes Pessar.
Welche Beschwerden im Alltag am häufigsten stören
Ich sehe beim Pessar vor allem ein praktisches Problem: Es hilft vielen Frauen, kann aber an der Schleimhaut, an der Blase oder am Darm spürbar reiben. Typisch sind ein Fremdkörpergefühl, Druck oder Schmerzen, vermehrter Ausfluss und gelegentlich Schmier- oder Blutungen. Wenn das Pessar nicht sauber sitzt oder zu lange unverändert bleibt, kann die Scheidenwand gereizt werden; die Folge reichen von kleinen Druckstellen bis zu Geschwüren. Gesundheitsinformation.de weist außerdem darauf hin, dass auch Entzündungen in der Scheide und eine behinderte Darmentleerung vorkommen können.
- Druck- und Reibungsgefühl im Becken
- Vermehrter Ausfluss, manchmal auch unangenehm riechend
- Schmerzen beim Sitzen, Gehen oder beim Einführen
- Blutungen oder Schleimhautverletzungen
- Verstopfung oder erschwerte Darmentleerung
Der wichtigste Punkt ist für mich: Beschwerden sollten nicht als normale Begleiterscheinung abgetan werden, wenn sie neu auftreten oder zunehmen. Dann ist oft nicht mehr Geduld gefragt, sondern eine bessere Passform. Genau dort liegt der nächste Stolperstein.

Warum die Anpassung oft mehr Geduld braucht als erwartet
Bei Pessaren funktioniert selten alles beim ersten Termin. Es gibt unterschiedliche Formen und Größen, und oft müssen mehrere Modelle ausprobiert werden, bis Halt und Tragegefühl stimmen. Die aktuelle AWMF-Leitlinie beschreibt, dass die erste Anpassung zwar bei den meisten Frauen gelingt, die dauerhafte Weiterführung aber deutlich niedriger ausfällt: In Beobachtungsstudien lag die erfolgreiche Anpassung bei etwa 50 bis 100 Prozent, die anhaltende Pessartherapie aber nur bei 14 bis 67 Prozent.
| Was die Anpassung erschwert | Warum das relevant ist |
|---|---|
| Kurze Scheide, unter 7,5 cm | Das Pessar hält oft schlechter und verrutscht eher. |
| Klaffender Introitus | Der Eingang gibt dem Hilfsmittel weniger Halt. |
| Levator-Defekte | Die Beckenbodenstütze ist geschwächt. |
| Vorherige Prolapsoperation | Die Anatomie ist verändert, die Passform wird unzuverlässiger. |
| Hoher BMI | In Beobachtungsdaten steigt das Risiko, dass die Therapie scheitert. |
Gerade ältere Frauen merken dabei oft, dass die eigentliche Hürde nicht das Einsetzen ist, sondern die Summe aus Kontrolle, Nachjustierung und möglicher Unsicherheit im Alltag. Wenn das Hilfsmittel nur mit viel Nacharbeit funktioniert, verliert es an Attraktivität. Von hier ist der Schritt zu den Grenzen bei Alltagstätigkeiten klein.
Welche Grenzen es bei Sexualität, Blase und Darm geben kann
Ein Pessar kann die Beschwerden beim Geschlechtsverkehr sogar lindern, wenn es die Senkung gut stützt. Trotzdem hat es klare Grenzen: Mit manchen Modellen ist penetrativer Sex nicht möglich, andere müssen vorher herausgenommen werden. Wer hier keine flexible Lösung bekommt, erlebt das Hilfsmittel schnell als störend statt entlastend.
Auch die Blase reagiert nicht immer vorhersehbar. Manche Frauen sind durch das Pessar weniger inkontinent, bei anderen verändert sich die Blasenfunktion in die andere Richtung oder das Wasserlassen wird schwieriger. Ähnlich ist es beim Stuhlgang: Wenn stark gepresst werden muss, kann das Pessar spürbar werden oder sogar verrutschen. Ich rate deshalb immer dazu, Verstopfung ernst zu nehmen, statt sie nebenbei mitzuschleppen.
- Geschlechtsverkehr kann mit bestimmten Modellen eingeschränkt sein
- Die Blasenfunktion kann sich verbessern oder verschlechtern
- Pressen beim Stuhlgang kann das Pessar nach unten drücken
- Verstopfung erhöht das Risiko für Beschwerden und Fehlhaltungen
Wer diese Punkte früh anspricht, erspart sich oft Frust. Entscheidend ist dann die Frage, wie eng man das Hilfsmittel überwachen muss, damit aus einer kleinen Reizung kein größeres Problem wird.
Warum regelmäßige Kontrollen kein Formalismus sind
Gesundheitsinformation.de nennt für Pessare Kontrollen im Abstand von 4 bis 12 Wochen, je nach Situation. Andere Praxen arbeiten mit längeren Intervallen von einigen Monaten, wenn das Modell sicher sitzt und die Frau es selbst gut handhaben kann. Genau diese Nachsorge ist kein bürokratischer Anhang, sondern ein Teil der Therapie: Sie verhindert, dass Druckstellen, Infektionen oder ein ungünstig sitzendes Pessar zu spät auffallen.
Wird das Hilfsmittel zu lange ohne Kontrolle getragen, steigt das Risiko für Scheidenwunden, chronische Reizung und in seltenen Fällen schwerere Komplikationen. Dazu gehören ein festgehaltenes Pessar, schwierige Entfernungen oder, sehr selten, Fisteln zwischen Scheide und Blase beziehungsweise Darm. Nach den Wechseljahren kommt noch die empfindlichere Schleimhaut hinzu; hier wird häufig eine lokale Hormoncreme empfohlen, damit das Gewebe robuster bleibt. Das sollte man bei Brustkrebs oder Krebserkrankungen im Genitalbereich vorher ärztlich abklären.
Für mich ist das der Punkt, an dem sich die Alltagstauglichkeit wirklich entscheidet: Ein gutes Pessar ist nicht nur eines, das heute passt, sondern eines, das sich auch in drei Monaten noch sauber betreuen lässt. Daraus folgt direkt die Frage, was im höheren Alter zusätzlich schwierig werden kann.
Was im Alter zusätzlich schwerer fallen kann
Bei älteren Frauen sind die Nachteile eines Pessars oft weniger medizinisch spektakulär als organisatorisch. Arthrose, eingeschränkte Feinmotorik, Sehschwäche oder eine unsichere Mobilität können das tägliche Einsetzen, Entfernen und Reinigen erschweren. Wenn jemand nicht mehr sicher mit den Händen arbeiten kann, wird selbst ein grundsätzlich gut sitzendes Modell schnell unpraktisch.
Dazu kommt, dass trockene und dünnere Schleimhaut in der Postmenopause empfindlicher reagiert. Ein Pessar, das bei jüngerer Schleimhaut nur leicht drückt, kann dann rascher brennen oder bluten. Auch Verstopfung ist im Alter häufiger und wirkt sich unmittelbar auf das Tragegefühl aus, weil Pressen das Hilfsmittel nach unten drücken kann. Wer auf Hilfe im Alltag angewiesen ist, muss außerdem die Frage der Intimsphäre mitdenken: Nicht jede Frau möchte für ein solches Hilfsmittel regelmäßig Unterstützung von Angehörigen oder Pflegekräften brauchen.
Gerade deshalb sollte man bei Seniorinnen sehr nüchtern prüfen, ob das Pessar eine echte Erleichterung ist oder nur eine weitere Sache auf der To-do-Liste. Wenn der Aufwand zu hoch wird, lohnt sich der Vergleich mit anderen Behandlungsmöglichkeiten.
Wann ich eher an eine andere Behandlung denke
Ein Pessar ist vor allem dann sinnvoll, wenn eine Operation vermieden oder hinausgezögert werden soll. Trotzdem gibt es Situationen, in denen ich die Nachteile höher gewichte als den Nutzen. Dazu gehören wiederholtes Herausfallen, dauerhafte Schmerzen, mehrere erfolglose Anpassungen oder eine Situation, in der Kontrolltermine praktisch nicht zuverlässig eingehalten werden können.
| Behandlung | Typischer Haken | Für wen sie oft passt |
|---|---|---|
| Pessar | Kontrollen, Reibung, Passformprobleme | Wenn eine konservative Lösung gesucht wird und Nachsorge möglich ist |
| Beckenbodentraining | Langsam, braucht Disziplin und Anleitung | Bei leichteren Senkungen oder als Ergänzung |
| Operation | Höherer Eingriff, Narkose- und Heilungsrisiken | Wenn Beschwerden stark sind oder konservative Wege scheitern |
Das heißt nicht, dass Operationen automatisch besser sind. Aber wenn ein Pessar ständig drückt, immer wieder herausfällt oder den Alltag mehr verkompliziert als erleichtert, muss man die Behandlung neu denken statt sich aus Gewohnheit daran festzuhalten. Genau diese Schwelle sollte man kennen, bevor aus einem Hilfsmittel ein Dauerärgernis wird.
Diese Warnzeichen sollte man nicht aussitzen
- neue oder zunehmende Schmerzen in der Scheide
- Blutungen, die nicht nur direkt nach dem Wechsel auftreten
- übel riechender Ausfluss oder deutlich mehr Sekret als sonst
- Probleme beim Wasserlassen oder beim Stuhlgang
- ein Pessar, das herausrutscht oder sich nicht mehr gut entfernen lässt
- starkes Druckgefühl oder das Gefühl, dass etwas nicht stimmt
Wenn eines dieser Zeichen auftaucht, sollte die gynäkologische Kontrolle nicht aufgeschoben werden. Ich halte Pessare für nützlich, aber nur dann für wirklich gut, wenn Passform, Pflege und Nachsorge zusammenpassen. Wer die typischen Nachteile kennt, trifft eine ruhigere und oft bessere Entscheidung für die eigene Situation.